22 Februar 2012

Dein Dreck, mein Dreck...

...Dreck ist für uns alle da?!? Falsch, ganz falsch! Für mich ist der da, der Dreck. Der gehört ganz allein mir. Egal, wo und in welchen Mengen - der Dreck ist meiner, Schluss, aus, fertig.
Soweit zumindest die - ziemlich schambefreite - Meinung einiger Wohnanlagen-Insassen. Schließlich blechen die werten Bewohner für die Reinigung innen (mein Bier) und außen (Bier vom Hausmeister) - die Kosten dafür sind im Mietzins eingebaut. Serienmäßig.
Jetzt sollte man eigentlich meinen, erwachsene Menschen wären in der Lage, ihren Verstand zu benutzen. Dieser Verstand sollte ihnen zu der Erkenntnis verhelfen, dass sich die Reinigung und deren Kosten auf normale, unvermeidliche Verschmutzung bezieht. Wer extra viel Dreck macht, sollte seine schmutzige Zusatzladung auch wieder entfernen, und zwar eigenhändig. Halbwegs anständige Leute machen sowas auch. Denn der Saustall ist in vielen Fällen alles andere als anonym und es ist doch irgendwie peinlich, wenn eindeutig zu erkennen ist, wem die Ferkeleien zuzuschreiben sind. Tatsächlich...??
Ha. Ha. Ha. Wer DAS glaubt, lebt im falschen Jahrtausend. Oder auf einem anderen Planeten. Oder hat viel zu viel Phantasie. Das Ergebnis ist unterm Strich jeweils das Gleiche: lauter Lachnummern, absolut weltfremd!
Da steht beispielsweise vor einer Wohnungstür in einer schnieken, modernen Behausungsanlage ein gigantisches Monstrum, das ganz offensichtlich als Beförderungsvehikel für Kleinstkinder dienen soll. Davon gehe ich wenigstens aus. Als ich mich in grauer Vorzeit für Nachwuchs-Schubkarren interessieren musste, sahen die noch komplett anders aus und waren eindeutig ihrem Verwendungszweck zuzuordnen. Jedenfalls ist das futuristische Gefährt mit drei riesigen, grobstolligen Breitreifen ausgestattet. Da frage ich mich schon, wo denn die moderne Supermami mit dem Karren eigentlich hin will?! Geländejogging in der Sandgrube? Ich habe noch keine Muttis mit Offroad-Kinderwägen durch die ausgebaggerten Canyons heizen sehen...
Aber egal, die fetten Schlappen sind eindeutig Haftreifen - bei winterlichen Wetterverhältnissen bleiben schätzungsweise drei bis vier Zentimeter Schnee-Salz-Split-Gemisch daran kleben. Den Pamp könnte die vorausschauende, anständige Mami eventuell mit ein paar beherzten Tritten vor der Haustür an der frischen Luft lassen. Könnte sie. Aber grau ist alle Theorie. In der Praxis wird der Säuglings-Rolls-Royce mit einem halben Kubikmeter Matsch vor der Tür zur Komfortwohnung abgestellt und darf dort in aller Ruhe abtauen. Es sieht hinterher einfach entzückend aus und nur die Türschwelle verhindert, dass die Brühe sich ihren Weg in die gegenüberliegende Wohnung bahnt. Um der - inzwischen getrockneten - Salzschicht Herr zu werden, bräuchte ich eigentlich eine Spachtel. Hammer und Meisel wären noch besser. Da ich aber weder über das Eine, noch über das Andere verfüge, schrubbe ich die Hinterlassenschaften der personifizierten Ignoranz leise fluchend und unter enormem Muskeleinsatz weg...
Vor einer anderen Miet-Residenz lagern grob geschätzt 30 Paar Schuhe, Inliner, Stecken für nordische Spaziergänge und, und, und... Bewegen kann ich mich hier kaum, mir bleiben nur ein paar Quadratzentimeter Aktionsradius. Zwischen dem ganzen Krempel hat sich der Dreck zu einem Sit-In versammelt. Ums kurz zu machen: "schlampig" wäre noch sehr wohlwollend ausgedrückt. Eigentlich sollte man denken, Chaos und Staubwolken-Kollektionen wären sehr private Angelegenheiten, die hinter verschlossenen Türen versteckt werden. Aber seinen Schlamphaufen jedem zu präsentieren, der da kommt, das wirkt doch irgendwie peinlich, oder?! Besonders, wenn Herr Schicki und Frau Micki in einer Bleibe der gehobenen Preisklasse hausen und der Messi-Berg vor ihrer Tür aus lauter Designer-Latschen besteht...

Die Schmach lässt sich aber noch steigern, nämlich wenn die lotterigen Bewohner von der Hausverwaltung mit Hinweis auf freizuhaltende Fluchtwege und Behinderung der notwendigen Reinigungsarbeiten aufgefordert werden, ihren wüsten Schluderberg zu entfernen.
Den ganzen Kram mussten sie wegräumen, den Kinderwagen übrigens auch. Der dazugehörige Dreck blieb - natürlich - liegen. Mehrere Zentimeter dick. Quasi als Visitenkarte.
Denen ist nix peinlich, die stehen da drüber. In Armani.

9 Kommentare:

  1. Und du musst das echt wegmachen? Frechheit!

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    1. Jep, ich krieg' die Mehrarbeit aber bezahlt. Deshalb bleibt das im Wiederholungsfall für die Dreckmacher auch nicht folgenlos - die Reinigungskosten würden steigen, klar, und das würde wiederum auf alle Parteien umgelegt...

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  2. Ich bin wirklich kein Putzteufel, sondern vielleicht sogar eher etwas schlampig veranlagt, aber ich würde mich schämen, wenn man meine Dreckspur vom Hauseingang durchs Treppenhaus bis zur Wohnungstür verfolgen könnte, und schnell zum Wischlappen greifen. Aber leider stehen viele unserer lieben Mitmenschen auf dem (ziemlich überheblichen) Standpunkt: Sollen doch diejenigen den Dreck wegmachen, die dafür bezahlt werden.
    Liebe Grüße
    Inka

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    1. Das kann ich Wort für Wort unterschreiben.
      Meinereiner ist ja auch eher in der Schlampi-Ecke beheimatet, Ordnungswahn und Putzfimmel kann man mir jedenfalls nicht vorwerfen ;-)
      Aber: ich würde mein Chaos nie und nimmer vor aller Augen ausbreiten, das wäre mir absolut peinlich, selbst wenn ich für die Reinigung bezahlt hätte. Deshalb kann ich diese nach-mir-die-Sintflut-Mentalität nur schwer nachvollziehen...

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  3. Hi,

    kannst du nicht noch ein paar weitere Gags einbauen ? Ich habe zwischendurch über diverse Wortschöpfungen wie "Säuglings-Rolls-Royce" und "Beförderungsvehikel für Kleinstkinder" herzhaft gelacht (obschon das Thema natürlich bitterernst ist). Im WDR-Fernsehen haben wir eben die 20 besten Comedy-Stars aus NRW gesehen. Du kommst zwar nicht aus NRW, aber in diesem Umfeld mit ein paar Gags aufgehübscht, könnte ich mir dir als Comedy-Star gut vorstellen ...

    Gruß Dieter

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    1. Hm, die Gags entstehen eigentlich nur so nebenbei, weil ich es ziemlich einschläfernd finde, wenn ich in einem Text zig mal den selben Terminus vorgesetzt bekomme. Deshalb greife ich lieber zu Synonymen, am liebsten zu selbstgestrickten ;-)

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  4. Hihi , zuhause gehört seltsamerweise auch aller Dreck mir alleine :-D interessant , dass es in solchen wohnanlagen auch nicht besser zugeht als in schlechteren gegenden .L.G. Andrea

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  5. Ich hab' den direkten Vergleich, nämlich eine Anlage in einer "sozial etwas schwächeren" Lage (ne schlauere Bezeichnung fällt mir gerade nicht ein): schlimmer als bei den Nobel-Dreckschleudern sieht's da auch nicht aus. Teilweise sogar wesentlich sauberer...

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  6. Ich hatte auch länger an der genauen Bezeichnung zu knacken... :))

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Sicherheitsabfrage OFF - zur komfortableren Nutzung bei gleichzeitiger Nahrungsaufnahme ;-)